Samstag, 16. Oktober 2010

Innovation für mehr Sicherheit - Displaykarte mit Tastatur

Echte Innovationen sind rar, auch in der Kartenbranche. Umso mehr muss man sie feiern. Visa und die australische Firma Emue haben mit "CodeSure" eine solche Innovation vorgestellt. Die Technologie ist zunächst nichts neues: Karten mit Display und Tasten gab es bereits früher. Doch das Geheimnis des zu erwartenden Erfolgs steckt im Detail.

Zunächst die Pflichtaufgabe: Die eingebaute Batterie soll ein Kartenleben lang halten, und Display und Tastatur überstehen auch den Einsatz in der Geldbörse in der Hosentasche. Per Tastendruck generiert die Karte eine Zahlenfolge, die zum Beispiel für 3D-Secure abgesicherte Internet-Transaktionen eingesetzt werden kann. Damit löst die Karte die heute noch immer weit verbreiteten statischen Passwörter durch dynamische TANs ab - ein deutlicher Sicherheitsgewinn.

Interessant wird es bei der Kür: Neben Internetbezahlungen ermöglicht die Karte nämlich  weitere vielfältige Einsatzideen:

Home Banking: Über zusätzliche Tasten und die Absicherung durch einen vierstelligen PIN erfüllt die Karte alle Anforderungen, um die mittlerweile unsicher gewordenden iTANs für Home-, Online- und Telefonbanking zu ersetzen. Für Banken bedeutet dies: Kein kostenintensiver Versand von TAN Listen bei gestiegenem Sicherheitslevel. Auch für den Karteninhaber bringt die neue Technik Vorteile mit: Mit der Karte hat man die benötigten TANs immer dabei und ist somit auch mobil sicher unterwegs. Und im Gegensatz zu SMS TANs erlaubt die Kartenlösung auch beim Mobile Banking eine sichere weil vom Device getrennte Authentifizierung.

Firmennetze: Der externe Zugang zu diesen Netzen wird oft über Tokenlösungen abgesichert. Diese sind nicht nur teuer, sondern auf Grund des zusätzlichen Device unbequem. Hier sind jetzt Anwendungen denkbar, bei welchen die Authentifizierung mittels CodeSure Karte - zum Beispiel auf der Firmenkreditkarte - abgewickelt wird.

Nach einer Reihen von Piloten - zuletzt mit der DKB in Deutschland - führt jetzt die Schweizer Corner Bank die CodeSure Kreditkarte als Produkt in den Regelbetrieb über. Bargeldlos glaubt: Weitere Banken werden folgen, denn die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig und das Kosteneinsparungspotential groß.

Mittwoch, 9. Juni 2010

Der Postbote kommt - und bei den Banken klingelt es nicht...

Es war nicht der Gärtner, sondern diesmal der Postbote - samt Freundin: Ein Pärchen aus München setzte die Kreditkarten und ec-Karten, die er als Postbote direkt aus der Post klaute, munter zum Einkaufen ein. Und - so die Agenturmeldungen - einmal ergatterten sie sogar eine PIN, mit der sie dann an "diversen Geldautomaten 10.000 Euro abhoben".

Banken wissen natürlich aus ihren eigenen Zahlen über Kartenbetrug, dass der sogenannte Postwegverlust nichts ungewöhnliches ist, auch wenn andere Betrugsarten deutlich höheren Schaden anrichten. Aber in dieser Meldung steckt dennoch eine ganz besondere Einsicht über die deutsche Kartenindustrie.

Da wird also eine Karte - egal ob Kreditkarte oder ec-Karte - neu ausgegeben, vielleicht auch nur ersetzt. Dazu wird eine neue PIN versandt. All das weiss die Bank oder ihr Prozessor. Man könnte also meinen, dass man jetzt etwas Vorsicht walten lässt und die nächsten eintreffenden Autorisierungsanfragen besonders genau prüft. Doch nein: Munter kann der "Finder" eine Tour an verschiedenen Geldautomaten starten und inenrhalb kürzester Zeit 10.000 Euro abheben.  Die Bank schöpfte keinerlei Verdacht ob dieses sehr ungewöhnlichen Einsatzverhaltens und autorisierte brav alles was reinkam. War ja PIN-gerpüft, was soll da schon gefährlich sein?

Tatsache ist, dass die stark steigenenden Betrugsschäden bei deutschen Kartenemittenten hausgemacht sind.

Fakt 1: Deutschland hat als eines der letzten Länder in Europa begonnen, auf die sicherere EMV Technik zu setzten. Und selbst wenn man wie wir schon frühzeitig Karten mit EMV ausgegeben hat, fehlte die entsprechende Terminaninfrastruktur, um das Potential der Technik zu nutzen. Viel zu sehr waren die Verbände damit beschäftig, neue nationale Besonderheiten zu entwickeln, als dass sie Zeit gehabt hätten sich mit dem zu beschäftigen, was "draussen in der Welt" passiert.

Fakt 2: In keinem anderen Land vertrauen die Banken so viele und so wichtige Aufgaben externen Dienstleistern an, ohne deren Aktivitäten laufend zu überprüfen.

Fakt 3: Es gibt kaum Experten in den Banken, die sich gut genug mit der Materie auskennen, um adäquat auf Probleme reagieren zu können.

Ergebnis: Deutschland hat alle großen Länder in Europa und dazu noch viele Schwellenländer beim Thema Kartenbetrug weit hinter sich gelassen - im negativen Sinn. Gut für den Postboten, denn er kann mit der ergaunerten Karte samt PIN so richtig loslegen und muss sich über Betrugsfrüherkennungssysteme der Banken keine Gedanken machen - denn sie gibt es nur auf dem Papier ohne wirksam einzugreifen. Aber schlecht für die Banken: Denn neben EMV und SecureCode Einführung wird es noch ein weiter Weg sein, bis wir das Thema Kartenbetrug wieder unter Kontrolle haben. Und die meisten Banken haben sich noch nicht einmal auf den Weg gemacht...

Sonntag, 16. Mai 2010

Berührungslos betrügen

Es ist zweifelslos eine interessante Technik: Berührungsloses Bezahlen Dank Karten mit NFC Chips. Die Technik ist nicht neu, wurde aber bis vor kurzem vor allem in geschlossenen Systemen wie Kantinen, Bibliotheken und Firmen eingesetzt. Doch jetzt halten die sogenannten Contactless Cards Einzug in die ganz normalen Bezahlkarten: Immer mehr MasterCard und Visa Karten werden mit der NFC Technologie ausgerüstet und erlauben an speziellen Terminals das kontaklose Bezahlen.

In Deutschland (Lufthansa und Payback), Frankreich (vor allem Carrefour) und Schweiz ist MasterCard Vorreiter, während in Großbritannien Konkurrent Visa die Nase vorn hat. Gemeinsam haben alle Projekte, dass sie das Bezahlen im Handel, im Restaurant oder auf Reisen beschleunigen sollen. Neben dem schnelleren weil berührungslosen Auslesen der Kartendaten wird dies vor allem durch den Verzicht auf jegliche Karteninhaber-Authentifizierung erreicht: Im Rahmen von bestimmten Betrags- und Transaktionslimiten muss werder eine PIN eingegeben nich ein Beleg unterschrieben werden. So kann der Kassiervorgang auf wenige Sekunden reduziert werden.

Doch, so fragen sich nicht nur Technik-kritische Beobachter, wie stehts dann mit dem Betrugsrisiko? Ja, die Unterschrift ist als Authentifizierungsmethode wenig tauglich und PIN ist bis heute bei Kreditkartenzahlungen in Deutschland unüblich. Aber wird es hier Betrügern nicht doch etwas zu einfach gemacht, und das gerade in Zeiten, in denen die Betrugsausfälle bei Kartenzahlungen alle Rekorde brechen? Alles kein Problem, so die Kartenorganisationen und die entsprechenden Emittenten. Intelligente Präventionssysteme und neueste Technik würden das Risiko minimieren, und auf Grund der Betragslimitierung ist der potentielle Schaden begrenzt. Doch wie es um die Intelligenz der Betrugsfrüherkennungssysteme gestellt ist kann jeder Kartenemittent anhand seiner eigenen Betrugskosten sehr schnell nachvollziehen. Und die Betragslimitierung ist wohl nur ein vorläufiger Wert, wie der Muttermarkt aller Kreditkartenzahlungen USA gezeigt hat, wo in kürzester Zeit die Limite für Autorisierung und Karteninhaberprüfung auf stolze 50USD angehoben wurden. Hinzu kommt: Gerade in Deutschland ist es üblich, alle Schäden, die nicht eindeutig zu Lasten der Bank zu gehen haben, dem Endkunden aufzubürden. Damit ist auch bei PayPass bzw. PayWave zu rechnen, wie ein Blick in die AGBs der DKB und der WestLB bereits zeigt - diese wälzen das zusätzliche Risiko, dass durch die PayPass Technologie entsteht, vollständig auf den Karteninhaber ab.

Zu den normalen Zahlugsrisiken kommen noch bis jetzt unbekannte Faktoren: Wie steht es mit der Möglichkeit, im Vorbeigehen - zum Beispiel in der U-Bahn - von Karten, die noch in der Brieftasche stecken, Beträge abzubuchen? Oder die Tatsache, dass sonst als vertraulich behandelte Daten wie Kartennummer und Verfalldatum auf die gleiche Weise ausgelesen werden können, ohne dass der Karteninhaber dies mitbekommt? Bis jetzt sind solche Fälle nicht in größerem Ausmaß bekannt geworden, doch ist bei weiterer Verbreitung von Contactless Cards sehr wohl damit zu rechnen.

Wenn also das Risiko steigt, wo liegen dann die Vorteile, die dies rechtfertigen würden? Zunächst natürlich bei der Karten-ausgebenden Bank: Sie generiert Erträge aus zusätzlichen Umsätzen und kann vielleicht sogar eine höhere Kartengebühr verlangen. Darüber hinaus bietet die Technik große Vorteile für den Händler, da der Kassiervorgang beschleuningt werden kann, was natürlich Kosten spart. Ob es sich für den Händler auch rechnet ist dann lediglich eine Frage der Gebührenhöhe, wobei sich Banken hier bereits verhandlungsbereit gezeigt haben, wie die neuesten MasterCard Interchange Sätze mit Sonderregelungen für PayPass zeigen.

Bleibt die Frage nach dem Vorteil für den Kunden:  Die zusätzlichen Erträge der Banken kommen hier ganz sicher nicht an. Gleiches dürfte auch für eventuelle Kostenvorteile des Einzelhandels gelten. Und ob Otto Normalverbraucher so sehr daran interessiert ist, noch schneller bei Alid & Co. abkassiert zu werden darf bezweifelt werden. Also kann man wohl sagen, dass derjenige, der das deutlich gestiegene Risiko des Kontaklosen Bezahlens trägt, wenig von den Vorteilen profitiert - der Kunde. Zum Glück kann es eben auch dieser Kunde entscheiden, ob er das System nutzt oder nicht. Und genaus hier sollten Banken und Händler ansetzen, wenn sie die Investitionen in das System wieder sehen wollen:  Dem Karteninhaber gute Gründe geben, warum er zukünftig kontaklos bezahlen soll - und sicherstellen, dass er nicht nur berührungslos betrogen wird.

Mittwoch, 5. Mai 2010

Kreditkarte und ec-Karte: Vor Licht und Einsatz schützen!

Jetzt wissen wir es endlich. Und zwar aus berufenem Munde. Immerhin treten die Herren mit dem geballten Fachwissen aus den Bereichen Polizei und Finanzen auf: Dirk Hartenberger vom Beratungszentrum der Polizei, unterstützt durch Jürgen Berg, Vertriebsleiter der Sparkasse Rhein-Nahe in Bingen.

Und was haben diese beiden Herren uns unwissenden Verbrauchern zu sagen? In Kürze zusammengefasst wohl, dass es nur eine Möglichkeit gibt, sich vor Kartenmißbrauch zu schützen: Die Karte - egal ob ec-Karte oder Kreditkarte - an einem sicheren Ort verwahren, wegschließen und erst wieder hervorholen, wenn das Konto geschlossen wurde. Auf keinen, ja auf gar keinen Fall sollte die Karte bestimmungsgemäß eingesetzt werden, sei es am Geldautomaten, beim Händler oder gar im Internet. Denn dann ist es so gut wie sicher, dass ich Opfer von Betrügern werde, mein Konto leergeräumt wird und ich mein sauer verdientes Geld nie wieder sehe.

Jetzt sind solche Aussagen für Vertreter der Polizei nichts besonders und verständlich: Ähnliches gibt es zum Thema Gefahren des Straßenverkehrs (Lösung: das Haus nicht verlassen) oder Einbruch & Diebstahl (Lösung: alle Wertsachen verschenken). Entsprechend plastisch schildert Herr Hartenberger auch die raffinierten Betrugsmethoden, welchen er in seiner beruflichen Praxis schon begegnet ist: Bestens präparierte Geldautomaten ("das ist so gut gemacht, das kann man kaum bemerken"), böse Kellner ("Karte nie aus der Hand geben!") und das allzeit gefährliche Internet ("40% der Rechner sind infiziert"). Aber für einen Vertreter eines Finanzinstituts sind solch offene Worte doch überraschend. Prima, könnte man meinen, da redet endlich auch ein Banker mal Tacheles, weiter so! Immerhin würde den Sparkassen, sollten sich alle ihre Kunden an die Ratschläge ihres Vertriebsleiters halten, Einnahmen in dreistelliger Millionenhöhe verloren gehen - von zusätzlichen Kosten durch manuelle Bargeldausgabe ganz abgesehen. Wenn das nicht Beratung im Sinne der Kunden ist!

Doch, die Frage sei gestattet, was steckt hinter dieser vermeintlichen Offenheit? Zunächst: Natürlich kann es beim Einsatz von ec- und Kreditkarte zu Problemen kommen. Und eine Sensibilisierung der Verbraucher ist grundsätzlich etwas Gutes. Was hier aber von unseren beiden Herren und leider auch häufig den Medien gemacht wird ist mehr Panikmache als tatsächliche Beratung. Denn meist wird nur auf die vermeintlichen Gefahren anhand extremer Beispiele, nicht aber auf die Vorteile eingegangen. Und diese überwiegen nach neutralen Studien unter anderem von der EZB deutlich:
  • Durch Kartenzahlungen wird die Gefahr von Falschgeld deutlich reduziert
  • Das Handling von Bargeld kostet viele Millionen Euro, angesichts der jüngsten Bundesbankpläne zur Bargeldversorgung Tendenz steigend
  • Verliert man seine Geldbörse, können Karten gesperrt werden; Bargeld ist in jedem Fall verloren
  • Schwarzarbeit, Steuerhinterziehung und Schattenwirtschaft werden nachhaltig eingedämmt
  • Das Internet als Wirtschaftsplattform, und zu der gehört auch die Verwendung von unbaren Zahlungsmitteln, ist ein Wachstumsmotor der westlichen Wirtschaft

Warum also wettert ein Vertreter der Sparkassen so gegen das Zahlen mit Karte? Vor allem anderen: Unwissenheit. Die oben aufgeführten Punkte dürften Herrm Berg ebensowenig bekannt sein wie die Ertrags- und Kosteneinsparungspotentiale für sein Institut. Schuld daran ist vor allem, dass das Kartengeschäft bei den deutschen Banken und Sparkassen noch immer ein Schattendasein fristet. Diese glauben, mit der automatischen Ausgabe der ec-Karte habe man ja schon alles Notwendige getan. Im Vertrieb stehen andere Produkte im Mittelpunkt, seien es Bausparverträge, Lebensversicherungen oder Fondsanlagen. Doch ohne Kommunikation - sprich Werbung - auch keine Nutzung. Die Mobilfunkbranche hat dies schon vor langer Zeit verstanden und fokussiert sich in einem kundenseitig gesättigten Markt auf Nutzungssteigerungsmaßnahmen - mit Erfolg und Wachstum.

Eine solche Maßnahme würde auch den deutschen Banken und Sparkassen gut zu Gesicht stehen. Über ihre nationalen Gremien und Dienstleister hätten sie sogar die Möglichkeit einer konstertierten Aktion, wie sie bereits in anderen Ländern erfolgreich umgesetzt wurde. Und natürlich sollten hierbei auch die potentiellen Risiken berücksichtigt werden. Aber bitte ausgewogen und ins Verhältnis gesetzt. Dann muss die Karte auch nicht länger vor Licht und Einsatz geschützt werden...

Dienstag, 4. Mai 2010

Der Handel als Retter bedrohter Arten? 5 Fakten zum Lastschriftverfahren

Der deutsche Einzelhandel kann sich ja viele Dinge auf die Fahne schreiben: Zum Beispiel, dass deutsche Verbraucher dank jahrelanger "Geiz ist Geil" Indoktrinierung sich mehr um die Qualität des Motoröls für ihr Auto als für die Qualität ihrer Lebensmittel interessieren. Oder, dass Erzeuger von Grundnahrungsmitteln wie Milch keine ausreichenden Preise mehr erzielen können. Aber der deutsche Einzelhandel als Retter bedrohter Arten?
 
 Doch, so sieht sich der Handel nach Aussage von Kai Falk, Leiter Kommunikation beim HDE tatsächlich. Doch es geht nicht um bengalische Tiger oder Blauwale, nein. Es geht um das deutsche Lastschriftverfahren. Der HDE sieht das Lastschriftverfahren bedroht durch SEPA, durch die Banken und Sparkassen, durch die Bundesregierung, ja so ziemlich jeden, der nicht direkt dem Handel angehört. Doch was ist am Lastschriftverfahren, auch ELV genannt, so schützenswert? Der Kunde mag es, so der HDE. Und ohne ELV steigen die Preise. Und ohne ELV sind wir alle schutzlos der Gebührenwillkür der Banken ausgeliefert. Aha.

Schauen wir uns also das Lastschriftverfahren einmal genauer an:  Der Kunde legt eine Karte vor, seine Bankverbindung wird ausgelesen. Per Unterschrift ermächtigt er nun den Händler, eine Lastschrift über den Einkaufsbetrag einzuziehen. Und das war es. Doch woher weiß der Händler, dass der Kunde auch der ist, für den er sich ausgibt? Unterschriften sind leicht zu fälschen, werden kaum geprüft und außerdem müssen Konto auf Magnetstreifen und Konto auf Karte - und damit die Unterschrift - noch lange nicht übereinstimmen. Und woher weiß der Händler, dass der Kunde ausreichend Deckung auf seinem Konto hat? Gar nicht, hier gilt das Prinzip Hoffnung. Na, dann ist es doch das Problem des Händlers, oder nicht? Und wenn der ELV mag, warum sollte man es ihm verbieten?

Auf die Bankensicht, nämlich fehlende Einnahmen aus dem System, möchte ich hier nicht eingehen, denn das machen die Banken schon selbst. Mir ist ein Aspekt wichtig, der leider viel zu oft außer Acht gelassen wird  -wie so oft im deutschen Einzelhandel: DER KUNDE! Denn der ist es, der die Zeche, die ELV ihm einbrockt, bezahlen muss!

Fakt 1: Nahezu alle Kosten des ELV Systems werden direkt auf den Kunden abgewälzt. Nur die verbleibenden geringen Transaktionskosten rechnet der Handel gegen die Kosten der anderen Systeme auf. Wenn es aber z.B. zu einer Rücklastschrift mangels Deckung kommt, muss der Kunde diese Kosten tragen. Ebenso Kosten für Adressauskünfte, Inkassokosten etc.. Und da die Händler nach einer ersten Rücklastschrift einen so genannten Hoffnungslauf starten, fallen viele diese Kosten oft doppelt an.

Fakt 2: Die Daten der Kartenkunden werden völlig intransparent bei diversen Dienstleistern des Handels gespeichert. Kommt es zu einer Rücklastschrift, wird ganz schnell das ganze Konto des Kunden für ELV gesperrt, ohne dass dieser darüber informiert wird oder eine Chance hat, dagegen gezielt vorzugehen. Oft bleibt nur der Wechsel der Bankverbindung.

Fakt 3: Kommt es zur Ablehnung einer Transaktion kann der Kunde, anders als bei allen anderen Kartenzahlverfahren, nicht bei seiner Bank nachfragen und vielleicht das Problem aus der Welt räumen. Beim ELV wird einfach abgelehnt, eine Begründung gibt es meist nicht und wenn dann stimmt sie oft nicht.

Fakt 4: Die niedrigen Schadensquoten bei ELV basieren darauf, dass über Hoffnungsläufe, aggressivem Inkasso und häufigen Ablehnungen der Totalausfall minimiert werden konnte. Aber in % aller Einkäufe ist ELV mit fast 1% das Verfahren mit den meisten Störungen, d.h. Problemen bei der Abrechnung.  Das heißt: Für jeden hundertsten Kunden, der bei einem ELV Händler mit Karte zahlt, ist die Transaktion mit der Unterschrift noch nicht vorbei: Es folgen Hoffnungsläufe, Rücklastschriften, Mahngebühren, Inkassogebühren, Kartensperrungen usw.


Fakt 5: Die Schaden-Dunkelziffer ist hoch. Darunter fallen alle Transaktionen, bei denen manipulierte Karten erfolgreich eingesetzt wurden, der betrogene Kontoinhaber aber seine Kontoauszüge nicht sorgfältig geprüft hat und daher der unrechtmäßigen Abbuchung nicht widersprochen hat. Die Kosten trägt wiederum der Verbraucher.

Angesichts dieser gravierenden Nachteile für den Kunden ist es auf den ersten Blick verwunderlich, dass die deutschen Verbaucherschützer sich noch immer schützend vor das Lastschriftverfahren, und nicht vor den Kunden stellen. Die einzige vorgebrachte Begründung ist dabei, dass der Kunde durch sein umfassendes Widerspruchsrecht gegen unrechtmäßige Abbuchungen geschützt ist (doch wehe dem Kunden, der davon Gebrauch macht: dann ist Karte und Konto erst einmal für ELV gesperrt). Doch der tatsächliche Grund dürfte vielmehr darin liegen, dass die Verbaucherschützer vom Handel geschickt auf die Seite "Wir für die Kunden gegen die teuren Banken" gezogen wurden, ohne sich wirklich mit dem Thema auseinander zu setzten.

Seit gestern findet wieder das Kartenforum des EHI statt. Und wie immer hat der Handel ELV als das Beste aller möglichen Kartensysteme gepriesen. Das mag stimmen, wenn auch nur aus Sicht des Handels. Es bleibt die Hoffnung, dass irgendwann jemand das deutsche Lastschriftsystem auch aus Sicht der Verbraucher betrachtet. Vielleicht, ja nur vielleicht macht dies der Handel ja sogar selbst. Ein bisschen Kundennähe und Kundenservice hat ja schließlich noch nie geschadet...

Der Deutschen Liebe zum Bargeld: Der BdB und das Zahlen mit Karte...

Das war ja mal eine wirkliche Neuigkeit, die uns der Bundesverband der deutschen Banken BdB da per Pressemitteilung hat zukommen lassen: Die Deutschen hängen am Bargeld. Ach so. Und darauf kam der BdB nicht etwas auf Grund eigener Studien, sondern durch Analyse der Bundesbankzahlen. Warum wohl diese Neuigkeit wenige Tage vor den neuen EHI Zahlen zum Zahlungsverhalten rauskommt, die ja wesentlich ernster zu nehmen sind als die bekanntermaßen oft falschen BB-Zahlen? Ein Schelm, der Böses dabei denkt...

In jedem Fall ist laut BdB das Ergebnis eindeutig: Cash ist King, Girocard ist Nebensache, Kreditkarten sind out. Soso. Erst einmal wäre natürlich interessant gewesen, auf welcher Basis diese Analyse erfolgte. Reden wir nur vom Einzelhandel? Oder auch Reisen? Wie steht's mit Telekommunikation, Strom, Wasser? Oder gar Miete? Nichts wird dazu gesagt.

Na gut. Also gehen wir mal von "Einkäufen" aus. Es stimmt, da ist Deutschland noch sehr auf Bargeld fixiert. Vom BdB hätte mich jetzt natürlich auch interessiert, wie man dort glaubt, dass es denn zu diesem schlechten Abschneiden beim bargeldlosen Bezahlen gekommen ist. Frankreich, Spanien, Holland, England, ja sogar Polen sind uns da ja alle weit voraus. Aber das wäre natürlich für den BdB schwierig, ist er doch mit seiner völlig verfehlten Kartenpolitik ein Mitschuldiger an diesen schlechten Zahlen. Noch immer beschäftigen sich die deutschen Banken und Sparkassen zunächst mit sich selbst, und dann mit der Technik. Dann, erst dann, und mit großem Abstand, kommt der Kunde. Haben Sie in den letzten Jahren mal Aktionen der deutschen Banken und Sparkassen gesehen, um dem Verbraucher das Per-Karte-Zahlen näher zu bringen? Ich auch nicht, bis auf ein paar klägliche und unnütze Versuche, den Tod der GeldKarte hinauszuzögern. Statt dessen werden Unsummen in unnütze weil nach jahrelangen Zankereien schon wieder veraltete Technik gesteckt und den Technokraten die Leitung des nationalen Systems Girocard überlassen. Und wenn dann mal in der Öffentlichkeit über Karten gesprochen wird, dann über Themen wie "Kartenfälschungen in Spanien", Chip Probleme", "Internet Kriminalität" oder "Geldautomaten-Gebühren". Nichts davon gibt dem Verbraucher das Vertrauen und das Gefühl der Sicherheit, das ja so wichtig ist, wenn man sich an der Kasse entscheidet wie man jetzt gleich zahlen wird.

Also, lieber BdB: Wenn ihr es mit dem Thema Kartenzahlung wirklich ernst meint, dann überlegt Euch doch zur Abwechslung mal, wie ihr das bargeldlose Bezahlen nach vorne bringen könnt. Falls nötig, dann halt auch ohne die Sparkassen und Volksbanken. Und wenn dann noch Zeit da ist, dann könnt ihr gerne weiter so tolle Pressenotizen herausgeben.